Kompakt Fortbildungen


für Bildungseinrichtungen

Traumapädagogik,

Fortbildung 2


Interkulturalität, Zuwanderung, Fluchterfahrung – und das Erleben von Entheimatung im schulischen Alltag



Einordnung und persönliche Verortung

Meine Arbeit in diesem Feld ist sowohl fachlich als auch biografisch geprägt. Ich bin selbst interkulturell aufgewachsen, ein Auswanderungskind, und mehrsprachig groß geworden. Unterschiedliche kulturelle Kontexte, Sprachen und Lebenswirklichkeiten gehören für mich von jeher selbstverständlich zum Alltag.

In meiner therapeutischen Praxis arbeite ich seit vielen Jahren intensiv mit Flüchtlingskindern, Jugendlichen und Familien, unter anderem in Flüchtlingseinrichtungen und Wohngruppen. Darüber hinaus begleite ich Erzieherinnen, Pädagogen und Therapeutinnen, die in der Arbeit mit geflüchteten Menschen tätig sind. Diese langjährige Praxis fließt unmittelbar in meine Fortbildungsarbeit ein.

Ein zentrales Erleben vieler geflüchteter Kinder und Familien ist das Gefühl von Entheimatung: der Verlust von vertrauten Orten, Beziehungen, Sprache, kulturellen Selbstverständlichkeiten und innerer Orientierung. Dieses Erleben wirkt oft weit über das eigentliche Ankommen hinaus und prägt Verhalten, Lernen, Beziehungsgestaltung und Selbstwahrnehmung im schulischen Alltag.

 


Einordnung und Ausgangslage

Viele Schulen stehen heute vor der Aufgabe, Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Migrationsgeschichten und Fluchterfahrungen zu begleiten. Die Zuwanderungs- und Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre haben den schulischen Alltag nachhaltig verändert und stellen Lehrkräfte vor komplexe pädagogische, organisatorische und emotionale Herausforderungen – häufig an den Grenzen der vorhandenen schulischen Ressourcen.

Insbesondere Kinder mit Fluchterfahrung stehen oft unter einer hohen psychosozialen und traumatischen Belastung, die sich im schulischen Kontext unter anderem in Verhaltensauffälligkeiten, Rückzug, Übererregung, Konzentrationsschwierigkeiten oder emotionalen Krisen zeigen kann. Neben Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden wirkt hier häufig auch das tiefe innere Erleben von Verlust, Fremdheit und Unsicherheit.

 


Ziel der Fortbildung

Ziel der Fortbildung ist es, Lehrkräften Orientierung, fachliche Sicherheit und Entlastung im Umgang mit interkulturellen Klassen sowie mit Schülerinnen und Schülern mit Flucht- und Migrationserfahrung zu vermitteln.

Ein besonderer Fokus liegt darauf, das Erleben von Entheimatung als inneren Hintergrund vieler Verhaltensweisen zu verstehen und daraus eine pädagogische Haltung zu entwickeln, die Beziehung, Sicherheit und schrittweises Wie-heim-Werden im schulischen Kontext ermöglicht – ohne den Anspruch, therapeutisch zu arbeiten.

 


Inhaltliche Schwerpunkte

  • Grundlagen interkultureller Pädagogik im schulischen Kontext
  • Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- und Migrationserfahrung
  • Traumabelastung, Verlust- und Entheimatungserfahrungen und ihre Auswirkungen auf Lernen, Verhalten und Beziehung
  • Sprachbarrieren und ihre Bedeutung für Zugehörigkeit und schulische Teilhabe
  • Herausforderungen im interkulturellen Zusammenwirken im Klassen- und Schulalltag
  • Interkulturelle Elternarbeit:
    Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg, unterschiedliche Bildungs- und Erziehungsvorstellungen, Aufbau von Vertrauen und Kooperation
  • Pädagogische Möglichkeiten, Orientierung, Halt und Beziehungsräume zu gestalten, die schrittweises Ankommen unterstützen

 


Didaktischer Aufbau und Arbeitsweise

Die Fortbildung ist als praxisnahe Inhouse-Schulung konzipiert. Sie verbindet:

  • einen fachlichen Input zu interkulturellen, traumasensiblen und existenziellen Grundlagen
  • mit Reflexions- und Austauschphasen, in denen konkrete Situationen aus dem Schulalltag der Teilnehmenden bearbeitet werden können

Dabei geht es nicht um schnelle Lösungen, sondern um Verstehen, Haltung und realistische Handlungsspielräume, die Lehrkräfte im schulischen Alltag tatsächlich entlasten.

 


Nutzen für Schule und Lehrkräfte

  • Vertieftes Verständnis für das Erleben von Flucht, Verlust und Entheimatung
  • Mehr Sicherheit im Umgang mit herausforderndem Verhalten
  • Stärkung einer beziehungs- und haltgebenden pädagogischen Haltung
  • Unterstützung gelingender interkultureller Elternarbeit
  • Entlastung durch fachliche Einordnung komplexer Situationen
  • Förderung eines respektvollen Lern- und Beziehungsraums, in dem schrittweises Ankommen möglich wird

 


 


Vertiefendes Modul (optional)

Flucht, Migration und komplexe Traumatisierung – pädagogische Einordnung

Im Kontext von Flucht und Migration ist zu berücksichtigen, dass viele Kinder und Familien nicht nur punktuell belastet, sondern häufig komplex traumatisiert sind. Fluchterfahrungen gehen oft mit existenzieller Bedrohung, Gewalt, Kriegserlebnissen, Verlust von Angehörigen, langanhaltender Unsicherheit sowie belastenden Lebensbedingungen im Herkunftsland und auf der Flucht einher.

Die Traumabelastung betrifft dabei nicht nur die Kinder selbst. Auch Eltern sind häufig schwer belastet oder traumatisiert, was sich unmittelbar auf Beziehungsgestaltung, emotionale Verfügbarkeit und Erziehungsverhalten auswirken kann. Viele Kinder erleben Flucht direkt, andere transgenerational, indem sie in Familiensystemen aufwachsen, die von Angst, Verlust, Ohnmacht und Überlebensstrategien geprägt sind.

Auch Kinder, die bereits im Aufnahmeland geboren wurden, können die Folgen von Flucht- und Kriegserfahrungen ihrer Eltern in sich tragen. Traumatherapeutische und neurobiologische Erkenntnisse zeigen, dass massive Belastungen transgenerational und epigenetisch wirksam sein können und sich unter anderem in erhöhter Stresssensibilität, Regulationsschwierigkeiten oder emotionaler Unsicherheit äußern.

Diese tieferliegenden Belastungsebenen sind im schulischen Alltag oft nicht unmittelbar sichtbar, prägen jedoch Verhalten, Lernfähigkeit und Beziehungsdynamiken maßgeblich. Das vertiefende Modul unterstützt Lehrkräfte darin, diese Zusammenhänge mitzudenken und daraus eine haltgebende, traumasensible pädagogische Haltung zu entwickeln – ohne zu pathologisieren oder therapeutisch arbeiten zu müssen.

Das vertiefende Modul kann je nach Bedarf in die Fortbildung integriert oder als eigenständiger Schwerpunkt angeboten werden.



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Ressourcenorientierte Stärkung von Lehrkräften im schulischen Alltag